Warum Struktur Sichtbarkeit schafft
PR muss menschliche und digitale Empfänger adressieren.
Juni 12, 2026
Wie bleibt ein Unternehmen sichtbar, wenn Inhalte nicht mehr nur von Menschen gelesen, sondern zunehmend von Suchsystemen, KI-Crawlern und KI-Anwendungen verarbeitet werden? Im Notified Business Lunch Talk „Wie viel Presse braucht man heute noch für PR?" wurde deutlich: Unternehmen können heute direkt veröffentlichen – über Newsrooms, Presseportale und digitale Plattformen. Doch Auffindbarkeit entsteht nicht automatisch. Inhalte müssen auf die Bedürfnisse von Menschen und digitalen Systemen zugeschnitten werden.
„PR schreibt heute nicht mehr nur für Menschen. sondern auch für Maschinen. Inhalte müssen so aufgebaut sein, dass auch KI-Systeme sie analysieren und gut weiterverarbeiten können."
Michael Winter, Senior Solutions Specialist Notified
Warum Maschinen Struktur lieben – und Menschen davon profitieren
KI-Systeme führen keine Hintergrundgespräche und entwickeln keine journalistische Intuition. Sie erkennen Muster, Quellen, Zusammenhänge und Signale. Deshalb bevorzugen sie Inhalte, die klar aufgebaut sind: Wer spricht? Welche Aussage ist zentral? Welche Quelle stützt sie? Welche Daten sind relevant?
Was technisch klingt, ist auch für Menschen ein Vorteil. Struktur zeigt Journalisten, Entscheidern und Fachzielgruppen schneller, worum es geht – und warum ein Thema belastbar ist. Sie wird zur gemeinsamen Sprache von Kommunikation und Technologie.
Das SOAR-Framework: Auffindbarkeit beginnt vor der Veröffentlichung
Das SOAR-Prinzip macht den Anspruch konkret. Vor Veröffentlichung entscheidet sich anhand von vier Fragen, ob eine Pressemitteilung sichtbar werden kann:
- S – Structure: Sind Überschriften, Kernaussagen, Datenpunkte und Quellen so angeordnet, dass der Kern sofort erfassbar ist?
- O – Originality: Liefert der Inhalt eigene Daten, belastbare Einschätzungen oder exklusive Perspektiven?
- A – Authority: Sind Absender, Expertise und Referenzen nachvollziehbar?
- R – Recency: Ist der Inhalt aktuell, korrekt und maschinenlesbar verfügbar?
Das ist der strategische Hebel: Wer in KI-Umgebungen sichtbar sein will, muss Inhalte nicht nur veröffentlichen. Er muss sie so bauen, dass sie erfassbar, belegbar und weiterverarbeitbar sind.
Struktur kann kleinere Unternehmen sichtbarer machen
Besonders für kleinere Unternehmen verschieben sich dadurch die Spielregeln: Struktur kann zur Gegenmacht von Markengröße und Budget werden.
Ein Beispiel aus dem Batteriesektor zeigt, was das bedeutet: Drei Hersteller kommunizierten nahezu zeitgleich zu einem ähnlichen Thema. Die American Battery Technology Company war der kleinere Akteur – erzielte mit einem technologisch optimierten Quartalsbericht binnen 30 Tagen aber fast 1.700 KI-Zitate und wurde deutlich häufiger aufgegriffen als größere Wettbewerber. Nicht Größe entschied, sondern Informationsarchitektur: Klare Hierarchie, belastbare Daten, eindeutige Quellen, maschinenlesbare Struktur.
Zwischen Paywall und KI: Welche Inhalte maschinell lesbar sein sollten
Was passiert, wenn KI auf eine Paywall trifft? Dann wird Auffindbarkeit zur strategischen Entscheidung: Was muss sichtbar sein – und was bleibt exklusiv?
Justus Schirmacher vom Platow Brief machte im Talk deutlich, dass er exklusive Inhalte bewusst schützt. KI-Crawler dürfen nicht alles lesen. Denn es passt nicht zu seinem Geschäftsmodell, wenn sich eine KI zwischen Verlag und zahlenden Kunden setzt.
Für PR entsteht daraus eine neue Doppelaufgabe: Basisfakten müssen strukturiert auffindbar sein. Die eigentliche Geschichte aber muss so relevant, exklusiv und wertvoll sein, dass sie den Sprung hinter die Paywall schafft.
Tools ersetzen keine Strategie
Birte Orth-Freese von TE Communications sagte im Lunch Talk, dass KI und technologische Tools ihre PR-Arbeit erleichtert haben. Genau darin liegt ihr Wert: Sie ersetzen nicht die kommunikative Entscheidung, sondern helfen, sie im Alltag konsequenter umzusetzen.
Ein AI Press Release Optimizer kann Pressemitteilungen auf Klarheit, Struktur, Auffindbarkeit und Verständlichkeit prüfen: Sind Kernaussagen präzise? Werden Quellen klar erkennbar? Ist der Text für Menschen ebenso lesbar wie für Such- und KI-Systeme? Solche Tools nehmen PR-Profis nicht die Strategie ab. Sie machen sichtbar, wo Inhalte noch klarer, belastbarer und auffindbarer werden müssen.
Die Konsequenz für moderne PR
- Schreiben Sie für Menschen – strukturieren Sie für Maschinen: Verständlichkeit und technische Lesbarkeit müssen zusammengedacht werden.
- Setzen Sie auf validierbare Quellen: Klare Absender, belastbare Daten und überprüfbare Aussagen werden zum strategischen Vorteil.
- Denken Sie Sichtbarkeit früher mit: Auffindbarkeit beginnt nicht bei der Distribution, sondern bei Themenwahl, Aufbau und Sprache.
- Nutzen Sie Tools als Qualitätsfilter: Technologie sollte nicht mehr Output erzeugen, sondern bessere Auffindbarkeit und höhere Präzision ermöglichen.
Bedeutung entsteht durch Menschen. Aber sie braucht heute Struktur, um gefunden zu werden.
Der Notified Business Lunch Talk als Serie – Teil 3
Dieser Beitrag ist Teil unserer vierteiligen Deep-Dive-Serie zum Notified Lunch Talk „Wie viel Presse braucht man heute eigentlich noch?". Gemeinsam mit Catiana Krapp (Handelsblatt), Birte Orth-Freese (TE Communications), Justus Schirmacher (Der Platow Brief), Michael Winter (Notified) sowie Moderator Axel Schiel (Moderator) haben wir analysiert, wie sich das Zusammenspiel von Redaktionen und PR verändert.
Die Serie im Überblick:
- Das Ende der reinen Reichweite: Warum Einordnung die neue Leitwährung der PR ist
- Der Vertrauensfaktor: Warum Earned Media unersetzlich bleibt
- Mensch & Maschine: Warum Sichtbarkeit Struktur braucht
- Was wirklich zählt: Wie man 2026 noch Gehör bei Entscheidern findet
In Teil 4 geht es um die entscheidende Anschlussfrage: Wie wird aus einer gut strukturierten Botschaft ein Pitch, der Redaktionen wirklich hilft?
Lunch Talk im Replay: Erleben Sie hier die Experten-Insights in voller Länge.