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Wie viel Presse braucht moderne PR noch? Spätestens beim Thema Vertrauen zeigt sich: Redaktionelle Medien verlieren in der Kommunikationsstrategie nicht an Bedeutung. Sie werden zum Vertrauensanker.

 

„In einer Welt voller Inhalte wird Vertrauen zur knappsten Ressource.
Genau deshalb gewinnt Earned Media wieder massiv an Bedeutung."

Michael Winter, Senior Solutions Specialist Notified

 

Je leichter Inhalte produziert und verbreitet werden können, desto wichtiger wird die Frage, welchen Quellen Menschen noch vertrauen. Das ist das Vertrauens-Paradox moderner Kommunikation: Sichtbarkeit war nie leichter zu erzeugen – Glaubwürdigkeit nie schwerer. Menschen fragen nicht mehr nur: „Was steht da?" Sondern zunehmend: „Wer sagt das?"

Für Unternehmen ist das eine strategische Herausforderung, über die im Notified Buiness Lunch Talk diskutiert wurde. Eigene Inhalte zeigen Expertise und Haltung. Doch sie allein schaffen noch keinen Vertrauensvorsprung. Genau hier liegt der Wert von Earned Media: Corporate Content kann informieren, erklären und positionieren. Aber er kann seine eigene Glaubwürdigkeit nicht vollständig selbst erzeugen. Dafür braucht es redaktionelle Distanz.

 

Unabhängigkeit als Wettbewerbsvorteil

 

Unabhängiger Journalismus bringt ein, was keine PR-Agentur simulieren kann: Prüfung, Einordnung und externe Legitimation. Er macht aus einer Unternehmensbotschaft nicht automatisch eine Wahrheit – aber er entscheidet, ob sie öffentlich relevant, belastbar und berichtenswert ist.

Besonders sichtbar wird dieser Unterschied im Vergleich zu Influencern. Influencer-Marketing galt lange als Antwort auf sinkendes Vertrauen in klassische Werbung. Doch dieses Versprechen verliert an Strahlkraft. Je stärker persönliche Empfehlung, bezahlte Kooperation und fragwürdige Promotions verschwimmen, desto wertvoller wird redaktionelle Unabhängigkeit.

 

Glaubwürdigkeit wird persönlicher

 

Deshalb ist spannend, wie sich auch klassische Medien verändern. Qualitätsmedien werden persönlicher: Catiana Krapp, Redakteurin beim Handelsblatt, berichtete im Talk, wie das Handelsblatt Redakteure gezielt sichtbar macht, etwa über Podcasts. Dort erleben Hörer nicht nur fertige Texte, sondern Stimmen, Einschätzungen und Hintergründe.

So wird Nähe glaubwürdig: Im seriösen Kontext einer etablierten Medienmarke. Ein Verlag, der redaktionelle Unabhängigkeit ernst nimmt, berichtet mit Distanz, eigener Bewertung und ohne unmittelbares Verkaufsinteresse. Genau daraus erwächst Autorität.

 

Qualitätsmedien werden zum Anker

 

Diese Autorität braucht redaktionelle Qualität: Belastbare Quellen, klare Auswahl und Formate, die Raum für Vertiefung schaffen. Birte Orth-Freese von TE Communications brachte dies im Talk auf den Punkt: „Desinformation hat validierbaren Quellen eine völlig neue Bedeutung gegeben. Hier werden Qualitätsmedien zum Anker."

Klassische Medien wirken in diesem Umfeld nicht rückständig, sondern bewusst kuratiert. Während zahllose digitale Kanäle Schnelligkeit und Aktualität liefern, stehen Qualitätstitel und vertiefende Formate für Dauerhaftigkeit, Seriosität und Reflexion.

 

Vertrauensräume erkennen – bevor man kommuniziert

 

Es reicht nicht mehr, nur Botschaften zu platzieren. Kommunikationsverantwortliche müssen verstehen, wo Vertrauen entsteht. Media Monitoring und Social Listening werden damit zu strategischen Instrumenten. Sie zeigen nicht nur Reichweite, sondern Medienresonanz, Tonalität und relevante Akteure.

So lassen sich Chancen für glaubwürdige Beiträge früher erkennen – ebenso wie Risiken für die eigene Reputation. Technologie ersetzt Vertrauen nicht. Aber sie zeigt, wo es entsteht, wo es gefährdet ist und welche Debatten für die eigene Positionierung wirklich zählen.

 

Die Konsequenz für moderne PR

 

  • Haltung statt Marketing: Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch perfekte Selbstdarstellung, sondern durch Transparenz, Substanz und den Mut zum kritischen Blick von außen.
  • Persönlichkeit zeigen: Expertise wirkt stärker, wenn sie an Menschen gebunden ist – besonders in seriösen Medienumfeldern.
  • Qualität validieren: Earned Media ist kein zusätzlicher Kommunikationskanal, sondern ein Vertrauenssignal.
  • Vertrauensumfelder analysieren: Media Monitoring und Social Listening helfen dabei, relevante Debatten, glaubwürdige Stimmen und kritische Wahrnehmungsmuster frühzeitig zu erkennen.

In einer Welt, in der jeder senden kann, gewinnt derjenige, dem geglaubt wird.

 

Der Notified Lunch Talk als Serie – Teil 2

 

Dieser Beitrag ist Teil unserer vierteiligen Deep-Dive-Serie zum Notified Lunch Talk „Wie viel Presse braucht man heute eigentlich noch?". Gemeinsam mit Catiana Krapp (Handelsblatt), Birte Orth-Freese (TE Communications), Justus Schirmacher (Der Platow Brief), Michael Winter (Notified) sowie Moderator Axel Schiel (Moderator) haben wir analysiert, wie sich das Zusammenspiel von Redaktionen und PR verändert.

Die Serie im Überblick:

  1. Das Ende der reinen Reichweite: Warum Einordnung die neue Leitwährung der PR ist
  2. Der Vertrauensfaktor: Warum Earned Media unersetzlich bleibt
  3. Mensch & Maschine: Warum Sichtbarkeit Struktur braucht
  4. Was wirklich zählt: Wie man 2026 noch Gehör bei Entscheidern findet

 

In Teil 3 geht es um das „Wie": Wie lassen sich Inhalte so strukturieren, dass sie in der neuen Ära von generativer Suche, KI-Crawlern und automatisierter Informationsverarbeitung auffindbar bleiben?

 

Lunch Talk im Replay: Erleben Sie hier die Experten-Insights in voller Länge.